Von der Yacht zum Pickup-Wohnaufbau ...
Vorbemerkung der Redaktion
Wir schrieben den Spätsommer ´08, als wir einen Bericht in Planung hatten, der sich mit der Herstellung einer GFK-Wohnkabine befasste: In Cramer´s Fernwehmobil ging es um den Eigenbau einer solchen Kabine, und zwar nach den traditionellen Verfahren mit Herstellung von so genannten Negativformen.
Etwa zur selben Zeit erfuhren wir von einem anderen Projekt mit dem Ziel eines Kabinenbaus - dieses jedoch auch auf einer anderen Basis als das, von dem wir berichten wollten. Mit großem Interesse hatten wir von den Planungen und den Baufortschritten bei einer neuen GFK-Wohnkabine für Pickups gehört - ein Thema, mit dem wir traditionell sehr befasst sind.
Unser Kontakt zu Andreas Krake, der bereits im Jahr 2006 die alteingesessene Yachtbau-Firma bader catamarane e.K. übernommen hatte und so für uns als Profi im Composite-Bau galt, führte schließlich zu einem Treffen in München: Wir besuchten Andreas und seinen Kollegen Frank auf der Neuen Messe München, wo im Oktober ´08 die "Materialica" stattfand. In der Halle C4 fanden wir den Stand, auf dem das junge Unternehmen Krake Composite & Industrieteile (jetzt: Krake Composite GmbH) bereits die zweite Messe des Jahres bestritt - ein voller Erfolg, wie hinterher zu lesen war. Zu den Kunden zählen bereits einige DAX-Unternehmen, die auf die Ingenieurkompetenz des Unternehmens vertrauen, von der auch jeder individuelle Katamaran-Kunde des Hauses profitieren soll.
Wir aber interessierten uns weniger für Katamarane als vielmehr die im
Entwurf befindliche neue GFK-Kabine, die skalierbares Design versprach, das auf
unterschiedliche Trägerfahrzeuge anpassbar sein sollte. Auffällig dann am Stand
des Unternehmens: Nicht nur die Kabine auf Andreas´ "gepimpten" Mitsubishi L200
war ein echter Hingucker, sondern erst recht auch das Boot, was dieses Fahrzeug
im Schlepp hatte ...
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Andreas Krake machte sein damaliges Versprechen, über sein Projekt zu berichten, bereits bei einer folgenden Messe wahr: Rund um die Bad Kissinger Abenteuer & Allrad 2009 erhielten wir seine erste Zusammenfassung des Vorhabens, die künftig fortgesetzt werden soll.
Wir freuen uns, den Lesern dieses interessante neue Projekt vorstellen zu können!

Wer wir sind: Als Freunde, ursprünglich zusammengewachsen aus einem eBay-Deal
vor vielen Jahren, sind wir begeisterte Ingenieure - Frank, 26, Mechatroniker
und ich, Andreas, 43, Maschinenbauer (TH, Glas-Keramik-Technik).
Alles, was Freiheit verheißt, hat uns schon immer fasziniert - ob das meine
Motorradreise mit meiner heutigen Frau Angela nach Ungarn und in die Slowakei
1988 war - oder das Teil-Studium von Frank 2006 in Schottland.
Eine Begeisterung für Pickups mit ihrer Vielseitigkeit und ein latentes
Reisefieber führten fast zwangsläufig dann 2008 zu den Wohnkabinen. Zudem ergab
es sich so, dass ich 2006 eine alteingesessene Yachtbau-Firma übernahm - und
sich somit erhebliche Möglichkeiten im Composite-Bau ergaben.
Also ran: Frank unterstützt uns in allen Ingenieurs-Angelegenheiten, ob in
Konstruktion oder Produktionsüberwachung - und nebenbei treibt er unser
Wohnkabinenprojekt voran.
Nach Prüfung diverser Möglichkeiten am Markt stießen wir sehr schnell auf das
wiederkehrende Nutzlast-Problem - d.h. die permanente Überladung der Pickups und
die "Lösung" mit Goldschmitt-Luftfedern: Unter ingenieurs-technischen
Gesichtspunkten völlig inakzeptable Umsetzungen. Meist wurde bei entsprechenden
Berechnungen zudem noch mit leeren Kabinen getrickst, d.h. ohne Urlaubsgepäck
und Insassen.
Was also lag da näher, als Leichtbauspezialist die entsprechenden Möglichkeiten
auch auszunutzen? Und so entstanden erstmal:
Zum Schluss ist im Einzelbau jede Umsetzung handwerkliche Arbeit: Ob davor
ein Hobbybastler, ein erfahrener Weltreisender, eine "GfK-Klitsche" oder ein
Ingenieur an der Planung saß, sieht man dem Ergebnis meist deutlich an.
Erfahrene Weltreisende sind wir (noch) nicht - also ergab sich fast
zwangsläufig, dass wir die Ausrüstung in Schritten mit dem Wachsen des
Erfahrungshintergrundes anpassen wollten. Camper sind wir aber schon, sowohl mit
Zelt als auch mit Caravan. Hobby ist dieses Projekt ebenfalls schon - eine
"private Initiative" aus Interesse.
Als "GfK-Klitsche" verstehen wir uns schon lange nicht mehr, da wir eine
Reihe großer Konzerne zu unseren Kunden zählen dürfen - insofern können wir also
handwerkliche Professionalität und ggf. auch Manpower aufbieten.
Aber was wir im Kern sind - Ingenieure. Und so ergibt es sich, dass dieses
Projekt ein sehr technisches ist. Dies beginnt bereits bei der Leerkabine: Die
Wände sind berechnet, um mit 2 kw Heiz- oder Kühlleistung 40°C
Temperaturdifferenz zur Umwelt abzubilden. Die Laminate (Sandwiches) haben eine
bestimmte Festigkeit, verstärkt an kritischen Stellen. Die Lasten und
Gasdruckfedern sind berechnet, nicht empirisch umgesetzt. Und: Die Leerkabine
hat ein Materialgewicht mit Hubdach von weniger als 200 kg. Sie ist zudem ausgelegt für
einen Mitsubishi L200-KA0T Doppelkabiner, einen sehr ordentlichen PU, aber mit
einer der geringsten Nutzlasten.
Zur Grundstruktur: Die Wände sind getischlert (von gelernten Tischlern)
mit 25 mm bzw. 40 mm Kernmaterial. Glasfaser außen und innen ergeben ein
Sandwich. Das besondere hier: Es wird zum Schluss laminiert und gespachtelt.
Wohl bekommt man so nicht so einfach "geleckte" Oberflächen hin (das muss ein
Autolackierer zum Schluss ausbügeln), aber die gesamte Kabine erhält die
Struktur und Festigkeit eines
Monocoques - d.h. nach einem Sturz in einen Graben oder von einer Sanddüne
wird die Kabine "wie neu" aussehen - der Inhalt aber sicherlich nicht ...
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Diese Bauphase ist zwischenzeitlich nahezu abgeschlossen.
Als nächstes wurde nach Stützen gesucht - wir haben uns nun für mechanische
RiecoTitan entschieden, mit elektrischem Umrüstsatz. Diese wurden Anfang April
2009 dann angeliefert, der Satz kam direkt aus den USA. Der Deal über Albin
Buratti von Tourfactory lief sehr glatt ab.
Dann das nächste Problem: Die Befestigung der Stützen. Mitgeliefert wurden sehr
unhandliche Stahlbleche - wohl geeignet, um grobschlächtig stabil zu sein, aber
eben Masse. Daher eine (ungeplante) Neukonstruktion der Stützenbefestigung. In
diesem Zusammenhang haben wir gleich einen gewissen Diebstahlschutz gegen
Gelegenheitsdiebe vorgesehen, zudem sollten im demontierten Zustand die
Befestigungspunkte unauffällig sein und auch keine Verletzungsquelle darstellen.
Auch das Gewicht sollte gering sein.
Ich glaube, das Ergebnis ist sehr gelungen, wenn auch etwas kostenintensiv
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In entsprechenden Foren war mittlerweile das Interesse doch sehr groß, und so
entstanden natürlich sehr bereichernde Diskussionen, die unsere Sicht auf die
Komplexität des Vorhabens veränderten. Zudem sollte die Kabine verschiedene
Zwecke erfüllen: Fernreisen, Ausleihe an die fast erwachsene Tochter,
Familienurlaub mit der gerade geborenen Tochter, Messe-Unterstützung, Stützpunkt
bei Außenveranstaltungen usw. Also ein sehr breites Spektrum, welches
insbesondere Auswirkungen auf die Komplexität des Schaltplanes hatte.
Da unsere persönlichen Wünsche der Ausrüstung doch sehr vielfältig waren, sind
wir mal gespannt auf das Ergebnis, natürlich auch in Sachen Basisparameter wie
Gewicht und Schwerpunkt. Ziel ist es, all die Schwachstellen von gängigen
Serienkabinen nicht zu wiederholen.
Zum Außendesign: Im ersten Anlauf wollten wir ein Design (Einzelstück!)
entwerfen, welches für jeden Pickup egal welcher Abmessungen taugt (d.h. in den
Abmessungen an unterschiedliche Pickups angepasst werden kann), andererseits
aber ohne Negativformen gebaut werden kann - der Aufwand lohnt sich schlicht
nicht (Anm. der Red.: zu diesem Verfahren mit Negativformen siehe
Vorbemerkung oben). Bisher gab es zur gewählten Form nur positives Feedback, was
uns sehr freut ... ![]()
Zum Innendesign: Hier sind wir doch noch recht unschlüssig - es gibt eine
Reihe von Denkansätzen. Während die Raumaufteilung im mittleren Bereich und im
Alkoven (zwei Sitzplätze, wandelbar zu einer Kinderliege; zwei Ausziehbetten im
Alkoven längs von 200 x 80 / 200 x 100 cm mit Schweizer Lattenrosten, in
Kaltschaum gebettet; Diesel-Ceran-Feld, Diesel-Heizung;
1-Fuel-Concept; Option des Durchstiegs nach vorne ins Fahrerhaus) bereits
ziemlich fest liegt, besteht im Bereich des Hecks/innen immer noch ein gewisser
Planungsspielraum.
Gemeinsam wird der Innenausstattung jedoch ein edles Ambiente sein - oder der
Versuch dazu.
Jedenfalls ist an Teak-Ausstattung gedacht, Feuchtigkeitsresistent und
fernreisetauglich. Um auch hier Leichtbau zu präsentieren, experimentieren wir
gerade mit Sandwichs, die unter Vakuum direkt mit Teak-Echtholz-Laminaten
bestückt werden.
Weiterhin soll ein für eine derart kleine Kabine
überdurchschnittlich komfortabler Nassbereich entstehen.
Auch die Lage/Anordnung/Füllmengen der Tanks sind noch nicht final definiert
(Stand Mai 2009) - die durch den Leichtbau gewonnene Zuladung soll außer in ein
Staufach im doppelten Boden der Kabine ggf. in den
Tanks angeboten werden (bis 80 L Frischwasser, ca. 30 L Diesel) - wer mehr
Gepäck hat, braucht die Tanks ja nicht voll zu füllen ...
Eine Mahnung noch: Leute, haltet euch an die maximale Zuladung eures Pickups !
Ganz privat (
) haben
wir in Bad Kissingen auf der Messe Abenteuer & Allrad 2009 unseren Rohbau
bereits einmal vorgestellt - jeder Besucher war dazu gerne willkommen. Wir
wollen die Wohnkabine nicht wirklich als Produkt etablieren - stattdessen
möchten wir einfach einmal zeigen, dass eine ordentliche Kabine ihren
Schwerpunkt NICHT merklich hinter der Hinterachse haben muss, dass ein L200 KA0T
sehr wohl für eine derartige Kabine geeignet ist und dass letztlich mehr als 500
kg nicht zwingend sein müssen. Und das bei einem ordentlichen
Ausstattungsstandard.
Jedenfalls werden wir die Gewichte der Geräte einzeln führen, nach und nach
Schwerpunkte messen und zeigen sowie hochwertige Materialien verwenden. Und das
vor allem deshalb,
weil es uns Spaß macht ...
FORTSETZUNG FOLGT!
Andreas Krake, bader Catamarane e.K.
© 2009 Explorer Magazin, Bilder Materialica 2008: Explorer Magazin, übrige Fotos: bader Catamarane e.K.
1. Nachtrag, Juni ´09: Zurück von der Messe ...
Im Nachtrag zur Messe, wo wir dieses Jahr im Gegensatz zur Jubiläumsmesse im Vorjahr aus Zeitgründen leider nicht ebenfalls vertreten sein konnten, erreichte uns der nachfolgende "Kurzbericht" von Andreas, der in Bad Kissingen sein Produkt zum ersten Mal einem großen Fachpublikum vorstellen konnte.
Und ein
Versprechen von ihm nehmen wir natürlich sehr ernst: Nämlich das von der
Fortsetzung der Berichterstattung!
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Zur Abenteuer Allrad 2009 hatten Frank und ich viel Spaß, es war ein
entspannendes Event. Unglaublich viele Interessenten haben sich gefreut, bei uns
mal "hinter die Kulissen" bzw. zwischen die Laminate schauen zu dürfen. Uns
beide hat der überraschend hohe Zuspruch gefreut - die Solidität der Bauweise
(obwohl sehr aufwändig) wurde durchgehend anerkannt ...
Wir berichten weiter, versprochen!
2. Nachtrag, März ´10: Es geht weiter
Andreas berichtet weiter vom Fortschritt seines Projektes, dazu einige Bilder mitten aus der Arbeit:
Nachdem nun bereits Kabinen im Kundenauftrag geliefert wurden, wächst auch
unser Konzept weiter.
Das Hubdach des Prototypen hat uns noch nicht überzeugt, daher machen wir es
neu: noch leichter und mit umgebauter Mechanik. Dafür ist es dann auch
ausgelegt, Dachlasten auszuheben - ein Anliegen, welches mit Gasdruckfedern nur
begrenzt gelingen wird.
Der Innenausbau ist begonnen. Die Fächer für Tanks, Batterien etc sind angelegt,
der Doppelboden "Maß genommen". Zudem steht die Abgrenzung für den kleinen
Sanitärbereich - ein befreundeter Designer hat uns bei der Ergonomie
unterstützt. Inzwischen wurde "Probe gesessen", auf einer CT-3000 von Thetford
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Außerdem haben wir ein weiteres kleines Dilemma für uns gelöst: Einerseits so leicht wie möglich - das heißt, möglichst wenig Harz, Spachtel, Farbe. Und bedingt eine wellige Oberfläche. Andererseits so "schön" wie möglich - denn "den Kunden" verlangt es nach einer glatten, glänzenden Oberfläche. Und so machen wir die Rückseite der Kabine glatt und glänzend, während die Masse der Oberfläche rau und super-leicht bleibt: Denn auf einem Quadratmeter Oberfläche kommen schnell 1 kg Lack und zusätzlich bis zu 1,5 kg Spachtel zusammen - das sind schon bei einer kleinen Kabine von etwa 20 qm Oberfläche zusätzliche 30-50 kg. Sparsamkeit diesbezüglich lohnt sich also!

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