(Bericht von
Sixta Zerlauth)
18.09.2010 -- Liechtenstein! Welch Assoziationen hat man
mit diesem kleinen Land! Ursprung etlicher deutscher Steuerskandale,
Parkhaus für zahlreiche schwarze Euro-Milliarden, die gut in
Stiftungen versteckt sind.
Wer nach Liechtenstein reist, tut dies nicht selten mit etwas
illegalen Absichten. Und wenn ich ehrlich bin, handelt es sich
diesmal um meine
erste vollkommen legale Reise.
Wer da aber an Geldwäsche denkt, liegt ganz falsch: Die letzten
"Reisen" hierhin unternahm ich als Kind in der Begleitung
meiner Großeltern - sie fanden in den Sechzigern des vergangenen Jahrhunderts
statt und waren in der Regel stramme Fußmärsche, die im Nenzinger
Himmel in Vorarlberg - Österreich begannen.
Früh morgens ging es mit
leerem Rucksack aufs Sareiser Joch, um dann nach Malbun auf der
Liechtensteiner Seite abzusteigen. Dort wurde der Rucksack mit
Tabak, Kaffee und Zucker gefüllt, alles Güter, deren aufwändiger
Schmuggel sich wohl lohnte. Beim Aufstieg zurück hielt man natürlich
Ausschau nach den durchaus geländegängigen österreichischen
Zöllnern. Wurde ein Zöllner gesehen, musste man schnell
entscheiden: Rucksack verstecken, in verschiedene Richtungen wegrennen oder frech mit einem fröhlichen
"Grüß Gott" auf sie zugehen, in
der Hoffnung, man sieht aus wie ein harmloser Wanderer. Ein Strauß
Alpenblumen, ein paar Pilze oder ein Töpfchen mit Beeren sollten je
nach Jahreszeit das Bild abrunden ...
Nun aber sind die Zeiten vorbei und man reist als Tourist wie wir
auf dem Weg in die Schweiz und nach Frankreich auch durch
Liechtenstein: Offizielles Zahlungsmittel ist der Schweizer Franken,
über eine eigene Währung verfügt das Fürstentum nicht. Überall - ob
auf dem Campingplatz oder im Restaurant wird jedoch der Euro gern
angenommen und jeder Kassierer hat einen Taschenrechner zur Hand,
auf dem er
mit flinken Fingern und einem für ihn sicher nicht ungünstigen Kurs
die Beträge umrechnet.

Sonntags haben Supermärkte hier geöffnet, was zu einer Flut von
Schweizer Einkaufsreisenden führt. Schweizer kaufen gerne ein am
Sonntag, wie wir bereits im Vorjahr in einem Einkaufszentrum an der Autobahn
beobachten konnten, wo Busse Mengen an Kunden hinkarrten.
Auch hier in Liechtenstein ist der Parkplatz voller Autos mit
Schweizer Kennzeichen, der Supermarkt voll mit Schweizer Kunden,
die volle Einkaufswagen zur Kasse rollen. Am Ausgang brutzeln die
Hendl, der Duft von frischem Brot und Kuchen zieht durch die Luft,
fast schon kommt Jahrmarktsstimmung auf.
Eins ist jedoch sicher: Auch wenn Schweiz und Liechtenstein
vermutlich mehr Euros bunkern als Schweizer Franken, werden sie wohl von
ihrer eigenen Währung nicht ablassen ...
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